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„...dass nur die Liebe letzte Hand an die Seele legt"
Schillers „Kabale und Liebe" an der Realschule Furth im Wald
Ende Oktober
gastierte der „Weimarer Kulturexpress" wieder an der Realschule und brachte die
moderne Version des Trauerspiels für die 8. und 9. Jahrgangsstufe auf die
Bühne.
Gespannt und neugierig auf den Literaturunterricht in
besonderer Form saßen am letzten Donnerstag vor den Herbstferien knapp über
hundert Jugendliche zwischen 14 und 15 Jahren in der Aula der Realschule. Ein
Trauerspiel nach Friedrich von Schiller sollte sie erwarten.
Mit einem Vorapplaus begrüßten sie den Auftritt der jungen
Schauspieler des Weimarer Kulturexpresses.
Chris, ein jugendlicher Darsteller, konnte schon vorab
punkten, indem er gleich zu Beginn im Zuschauerraum dem Further Schüler Anton
aus der 9.Jahrgangsstufe eine Wette abnahm. Einen Kasten Bier und 20 Euro
bekäme Chris von ihm, wenn er es fertigbrächte, der Streberin Mia einen Kuss
abzuringen. Mit diesem Vorspann tauchten die Schüler ein in eine Liebesgeschichte,
die eigentlich mit der Intrige eines Wettkusses begann.
Der charmante Mädchenaufreißer und „Vollproll" Chris bemüht
sich um Mia, die Streberin aus einer gut situierten Familie. In Vorbereitung
auf den Literaturunterricht begegnen sie der Sprache Friedrich von Schiller,
„die eh keiner versteht". In scheinbar improvisierten Parodien gelingt es den
Schauspielern die Sprache des Trauerspiels vor 225 Jahren sowie dessen
gesellschaftskritischen Inhalt lebendig und zugleich amüsant darzustellen. So
verkörpert Chris die Mutter der jugendlichen Liebhaberin Luise Miller, die sich
mit vermeintlich gehobener Ausdrucksweise eher lächerlich macht und sich auf
diese Weise deutlich von den Adeligen unterscheidet. Mia hingegen schlüpft in
die Hosenrolle des Sekretärs Wurm, der auf den versprochenen ehelichen Bund mit
Seinesgleichen, der bürgerlichen Luise, pocht. Chris und Mia kommen sich im
Verlauf der Vorbereitungen für den Deutschunterricht näher und ihre Beziehung
verwebt sich mit den Rollen der Liebenden des Trauerspiels: Chris spielt den
adeligen Liebhaber Ferdinand, der für seine große Liebe Luise sein Leben aufs
Spiel setzt. Mia gibt sich ganz den Emotionen Luises hin.
Am Ende ging die Wette um den Kuss leider nicht auf. Dafür
aber sprang ein Funken über auf die Zuschauer und brachte dem einen oder
anderen sicherlich einen unterhaltsamen Einblick in die überholte
Ständegesellschaft dieser Zeit. In ausgewählten Dialogen fanden die
jugendlichen Zuhörer zudem einen lockeren und unkomplizierten Zugang zur
Tragödiensprache Friedrich von Schillers. Mit einem begeisterten Applaus
bedankten sich die Schüler und äußerten im Anschluss den Wunsch, doch bald mal
wieder so einen kurzweiligen Deutschunterricht erleben zu dürfen.
Heidi Müller Realschule Furth im Wald
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