Brunnen für die Vielfalt

Für Vielfalt der Natur und ein schönes Umfeld

Fleißige Realschüler verwandelten den betongrauen Pausenhof-Brunnen in ein buntes „lebendes" Kunstwerk

„Viele Gedanken haben wir uns schon über unseren Pausenhof gemacht und auch darüber, wie wir den schmucklosen Beton-Brunnen darin verschönern könnten", erzählt die Lehrerin für Deutsch, Kunst und Werken an der Further Realschule, Heidi Müller. Bereits vor drei Jahren bauten Schüler der damaligen 6. Klassen Papiermodelle und stellten ihre weiteren Wünsche zur Ausgestaltung des Pausenhofes auf Plakaten dar. Auch in diesen ersten Entwürfen waren bereits Gestaltungsmöglichkeiten mit Steinen angedacht. Was die Schüler bald schon mal erreicht hatten, war das Pflanzen eines Baumes und damit endlich ein wenig Grün ins leblose Grau des Pausenhofes zu bringen.

Nun ist der für die Regeneration und Erholung der Schüler so eminent wichtige Bereich, um einen attraktiven Blickfang reicher geworden, ein „Brunnen für die Vielfalt mit dem Motto -Tiere im und am Wasser" ist von fleißiger Schülerhand entstanden. Und das kam so: Lehrerin Heidi Müller, die u. a. auch das Schulspiel an der Realschule betreut (man erinnert sich gerne und mit Begeisterung an das letzte Schülertheater mit Otfried Preußler's „Krabat") erlebte im Urlaub den äußerst reizvollen farben- und formenfrohen Tarot-Garten von Niki de St. Phalle in der Toscana. Spontan kam ihr der Gedanke, dass in diesem Stil gefertigte Kunstwerke auch dem Further Pausenhof-Brunnen gut zu Gesicht stehen könnten.

Das fanden auch die Schüler und so gingen die Neulinge aus den 5. Klassen mit großem Eifer gleich am Schuljahresbeginn, im September 2008, ans Werk: Auch die Thematik war klar: „Tiere im und am Wasser" sollten ihn beleben. Und weil es kaum möglich schien, einen Brunnen mit echten Tieren zu verwirklichen, bot sich die selbstgefertigte Kunstkeramik förmlich an. Die Schüler brachten aus der Grundschule schon viel Wissen zu diesem Natur-Themenkomplex mit, das durch reichlich Bildmaterial (vom LBV-Zentrum Nößwartling) noch erweitert wurde. Nicht wenig staunten sie alle über die quirlige Vielfalt in unseren Gewässern bis hin zu den kleinsten Wasserbewohnern.

Nach genauen Skizzen der ausgewählten Tiere schlickerten die Mädchen und Buben aus der Werkgruppe II (Klassen 5 a, b, c) unter Anleitung von Heidi Müller sie auf Tonplatten auf und setzten sie in Szene. Mit viel Fingerspitzengefühl und Ausdauer entstanden so z. B. Kriebelmückenlarven, Teichmuscheln, Spitzschlammschnecken und Kaulquappen, Bachforellen, Aale und ein „gefährlicher Hecht", Teich- und Bergmolche (und deren Babies), Salamander und Froschpärchen usw., usw.. Auch Schlangen, wie Ringelnatter und Kreuzotter oder auch Zauneidechsen nahmen deutliche Gestalt an. Zeitgleich stellten die Kinder Fliesen in unterschiedlichsten Formen her, die alle gleich dick sein mussten (Mosaik) - was ohnehin schon schwer zu bewerkstelligen ist.

Einmal abgesehen von der fachgerechten (und lustvollen) Bearbeitung von Ton und dem Kennenlernen des Materials machte es allen einen unbändigen Spaß, gemeinsam auf ein Ziel hinzuarbeiten und ein verantwortungsvoller Teil einer Gruppe zu sein, die zusammen etwas Schönes von bleibendem Wert schafft. Das Hantieren mit dem Zementmischer, das Legen eines Mosaikes unter Zeitdruck (Beton bindet ja schnell ab!) in enger Teamarbeit förderte zudem die Fähigkeit zu selbstverständlicher Disziplin und Wir-Gefühl, auch zum schöpferischen Tun. Daneben, aber sicher gleich wichtig, entwickelte sich das Verantwortungsbewusstsein für die Umwelt und die Achtung vor der Vielgestaltigkeit der Schöpfung immer mehr. All das ist pädagogische Wertevermittlung im besten, nachhaltigen Sinn, die ex-cathedra oder aus noch so guten Büchern kaum zu schaffen wäre.

Auf weitere notwendige Arbeitsschritte, wie die Trockenzeit, der Rohbrand, die Unterglasur, folgten die eigentlichen Finessen, so das experimentier- und farbenfreudige Auftragen der Aufglasur und die wetterfeste Mehrfach-Versiegelung. Die „Königsdisziplin" - die endgültige Zuordnung und das Kleben der Figurenfliesen als Mosaik, durchsetzt mit Flusskieselsteinen, gab dann dem funkelnagelneuen „Brunnen der Vielfalt" seine wunderschöne äußere Gestalt und seine zauberhafte Wirkung.

Schon während der Pausen ernteten die „Arbeiter" viel Lob: Viele Mitschüler freuten sich sichtlich darüber, dass der karge, graue Beton zumindest an dieser Stelle „begraben" wurde. Was im Übrigen auch von der Schulleitung und dem Lehrerkollegium ebenso gesehen wird. Übrigens - wer sich selbst ein Bild vom Ergebnis dieses klasse Projektes machen möchte, kann das sogar bei Regen tun: Da leuchten die Farben nämlich noch intensiver und lebendiger.

Johannes Reitmeier, Chamer Zeitung

 

Anmerkung des Webmasters:
Man kann sich vom "Brunnen der Vielfalt" nur ein Bild machen, wenn man mit Muße die "vielfältigen Details" dieses Kunstwerks betrachtet. Die folgende Fotostrecke kann nur einen kleinen Eindruckvermitteln ...

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