Kultur & Unterricht: Bairischer Dialekt

Bairischer Dialekt – Wir können alles -außer Standard

In kaum einem anderen Land werden so viele verschiedene Dialekte gesprochen wie in Deutschland.

Vor rund 1.000 Jahren wurde in Bayern nur eine einzige Sprache gesprochen, später machten sich verschiedene Volksstämme sesshaft und es entwickelten sich unterschiedliche Dialekte. Dialekt wird als sprachliche Varietät mit begrenzter räumlicher Geltung im Gegensatz zur überdachenden Standardsprache definiert, wobei vor allen Dingen die regionale Gebundenheit sowie die fehlende Schriftlichkeit bzw. Normierung hervorgehoben werden.

Allein im Freistaat Bayern treten neun unterschiedliche Dialektgruppen auf. Innerhalb des sogenannten altbairischen Dialektraums, der rund ein Sechstel des gesamtdeutschen sowie ein Viertel des hochdeutschen Sprachraums einnimmt, werden aufgrund sprachlicher Merkmale das Nord-, Mittel- und Südbairische unterschieden.

Ursprünglich stammt das Wort Dialekt aus der griechischen Sprache und bedeutet übersetzt „Gespräch und Redeweise von Gruppen“. Dieses sprachliche System hat seine eigenen Regeln. Der beliebteste Dialekt Deutschlands ist Bayrisch.

Es gibt Ortsdialekte, die nur in einem Radius von 30 Kilometern gesprochen und verstanden werden. Um das Bairische zu verstehen oder selber zu sprechen, sind einige Grundregeln zu beachten:

Hauptwörter (Substantive)

Das Bairische unterscheidet, wie das Schriftdeutsche, drei Geschlechter, die man am Artikel erkennt. Männlich: da Hund „der Hund“; weiblich: d Schul „die Schule“; sächlich: as Mai „das Maul“. Man beachte jedoch, dass manche Wörter im Bairischen ein anderes Geschlecht haben als in der Schriftsprache, zum Beispiel: da Budda „die Butter“; da Gummi „das Gummi“; as Dalla „der Teller“, da Ratz „die Ratte“.

Beugung

Im Bairischen gibt es nur drei Fälle: Nominativ (1. Fall), Dativ (3.Fall) und Akkusativ (4. Fall). Der Genitiv wird durch „von“ plus Dativ ausgedrückt: da Stol vo de Kiah (der Stall von den Kühen) „der Stall der Kühe“. Zeigt der Genitiv ein Besitzverhältnis an, so sagt man besser: an Lehra sei Beichl (dem Lehrer sein Buch) „das Buch des Lehrers“.

Aussprache:

Das Bairische enthält weit mehr Laute als die Standardsprache. Ihre richtige Intonierung macht dem Zugereisten große Schwierigkeiten. Der Trick in der Artikulation besteht darin die ungewohnten Doppelvokale äi, ea, ia, oa, oi, ua ebenso ungetrennt in einem Zuge zu sprechen wie die geläufigen au, ei, ui etc.:Oachkatzlschwoaf,„Eichhörnchenschweif“, Fuada „Futter“, miad „müde“.

Der bayerische Sprachraum. Quelle: Kleiner Bayerischer Sprachatlas.

In dem Gebiet, aus dem die Schüler der Klasse 8b stammen, das von Rittsteig bis Windischbergerdorf reicht, handelt es sich um eine Mischung aus dem Nord- und Mittelbairischen. 27 der 28 Schüler sind Sprecher des Bairischen.

Einige Schüler der Klasse 8b erstellten Sprachaufnahmen. Hierzu erhielten sie Bilder, deren Benennung sie von sich selbst und teilweise von älteren Sprechern aus dem gleichen Ort mit ihrem Handy aufnahmen. Folgende Begriffe wurden im Dialekt erfragt: Pferd, Güllegrube, Treppe, Salat, Mädchen, Fliege, Karotte, Kartoffel, Kleidung, Eimer. Wie im Video, dem die Bilder vorangestellt sind, zu hören ist, unterscheiden sich die Aussprache und die Wortwahl der Sprecher abhängig von ihrem Wohnort.

Link zu youtube Video:

https://www.youtube.com/watch?v=okRe3Fm72BQ

Die Aussage des Sprachwissenschaftlers Anthony Rowley, „Der bayerische Dialekt stirbt nicht aus.“, trifft zumindest auf die Klasse 8b der Realschule Furth im Wald in vollem Umfang zu.

Marie Engl, Lara Fißler, Nina Späth

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