Historisches ...

Die Geschichte der Further Realschule...

Wie es begann...


Was haben die Staatliche Realschule Furth im Wald und Bill Gates gemeinsam?

Die Antwort: Beide setzen sie auf Intelligenz und beide verdanken sie dem Dollar ihren Aufstieg. Das erste versteht sich von selbst, das zweite muss erklärt werden.

Die Realschule, damals 'Mittelschule' genannt, ist 1950 von der Stadt Furth als kommunale Einrichtung gegründet worden. Sie gehört damit in Bayern zu den ersten zehn Schulen dieses neuen Typs.

Am 1. Oktober 1950 trat der erste Schulleiter, Herr Siegfried Eisenreich, seinen Dienst an, am 2. Oktober wurde eine Aufnahmeprüfung durchgeführt, und am 9. Oktober begann für die 33 Knaben und 45 Mädchen der Unterricht. Diese ersten zwei Klassen mussten zunächst in verschiedenen Gebäuden untergebracht werden, die Bubenklasse in der alten Knabenvolksschule (siehe Bild) und die Mädchenklasse im Kolpinghaus. Die Lehrer 'pendelten' zwischen den Gebäuden hin und her, bis das eigentlich als Stadtbauamt geplante Gebäude gegenüber dem Kolpinghaus im Januar 1951 fertig wurde.

 

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1950: Das Gebäude der "Knabenschule" (links) und das erste "eigene Schulgebäude"
im späteren städtischen Bauamt (rechts)


Doch auch diese Bleibe war nur als Übergangslösung gedacht, denn auf der grünen Wiese des Mühllehens war ein funktionsgerechter Neubau geplant. Geschätzte Kosten: 316.000 DM.
Diese Baukosten überforderten die Finanzkraft der unter dem nahen "eisernen Vorhang" und dem "kalten Krieg" leidenden Grenzstadt: Es fehlte ein Betrag von 135.000 DM! Da zeigte sich als rettender Engel die "McCloy-Spende" in Höhe von 100.000 DM. Mit diesen amerikanischen Geldern aus dem "Marshall-Plan" war die Finanzierung endlich gesichert.

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Der Neubau 1952

Mit Beginn des Schuljahres 1952/53 konnte das neue Schulgebäude bezogen werden. Am 29. Oktober 1952 erfolgte die feierliche Einweihung. Eine Bronzetafel im neuen Schulgebäude drückte die Dankbarkeit der Stadt aus: "Dieser Bau wurde mit Hilfe von öffentlichen Mitteln der Vereinigten Staaten von Amerika errichtet."

Die knapp 24.000 Dollar waren also damals das Startkapital für die Further Intelligenzschmiede; so viel zu den Gemeinsamkeiten zwischen der Further Realschule und Bill Gates. Ob letzterer seinen Start auch mit geschenktem Kapital begann, ist unerheblich: Bei beiden hat sich der Einsatz auf jeden Fall gelohnt.

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Erster Erweiterungsanbau 1957

 


Der Aufstieg

Das zeitgemäße Profil führt zu ungeahnten Erfolgen. Die Schülerzahlen steigen rasch an, so dass schon nach sieben Jahren ein Erweiterungsbau mit 4 Klassenzimmern, 3 Nebenräumen und der Fahrradhalle erstellt werden muss: Nun kann die Further Schule auch vierklassig geführt werden. Im zehnten Jahr des Bestehens werden schon 11 Klassen unterrichtet; erstmals hat die Zahl der Schüler mit 320 die Marke 300 überschritten!

Eine Aufwertung des Schultyps bedeutet 1965 die Umbenennung der Mittelschule zur Realschule. Dann kann 1967 die schuleigene Sporthalle eingeweiht werden, was eine Intensivierung des Sportunterrichts (später vor allem im Volleyball) ermöglicht.

Im 20. Jahr des Bestehens wird mit 14 Klassen und 457 Schülern eine weitere Schallmauer durchbrochen, so dass die Raumnot für die nächsten Jahre nur mit einem provisorischen Pavillon ertragen werden kann. Eine grundlegende Modernisierung übersteigt zudem die Finanzmittel der Grenzstadt, so dass mit Wirkung vom 1. Januar 1972 die kommunale Einrichtung dem Landkreis Cham übertragen wird. Es dauert drei Jahre, bis der neu gebildete Großlandkreis grünes Licht gibt für einen großzügigen Erweiterungsbau mit fachgerechten Physik-, Chemie- und Biologiesälen und einem Musiksaal. Am 24. Juni 1977 erfolgt die Einweihung im würdigen, frohen Rahmen. Nun stellen übrigens die Mädchen die Mehrheit, und die Gesamtzahl pendelt stets um die 400.

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Der großzügige Erweiterungsbau 1977

1980 wird das 30jährige Bestehen gefeiert. Musikalische Darbietungen des Chores, der Akkordeon- und Gitarrengruppen unter Leitung von Erwin Hausler, der von Georg Jahn aufgebauten Bläsergruppe umrahmen die zahlreichen Veranstaltungen und speziellen Ausstellungen. Die mittelalterliche Legende "Ain hübsch spil von St. Georg", einstudiert von Heinrich Blab, ehrt die Drachenstichtradition der Grenzstadt und zeigt die Begeisterungsfähigkeit der Jugend, auch ernsthaftes Theater zu bieten.

1985 geht der erste Schulleiter, Herr Siegfried Eisenreich, in den Ruhestand. Sein Nachfolger wird Hans-Jürgen Bernhardt . Eine neue Bibliothek und ein modernes Hausmeisterwohnhaus werden 1987 fertiggestellt.

Im Jahr 2002 wird der neue Schulleiter Rudolph Wiesmann in sein Amt eingeführt.  In seiner Amtszeit werden umfangreiche Maßnahmen zum Brandschutz und zum Sicherheitskonzept durchgeführt. Ein neuer Biologiesaal wird durch einen Dachausbau realisiert und lindert die Raumnot, die durch Einführung der sechsstufigen Realschule und dem Zuwachs auf über 500 Schüler entstand.

Die 40-Jahrfeier und die 50-Jahrfeier geraten zu einem wochenlangen Festen: Ausstellungen, Musik und Theater, dazu die zahlreichen Ehemaligentreffen zeigen einerseits die Leistung der erfolgreichen Schule und andererseits die Wertschätzung der Grenzstadt, des Landkreises und der Staatsregierung, vor allem aber der Grenzlandbevölkerung gegenüber "ihrer" Schule; sind doch mittlerweile schon über 5000 Absolventen ins Berufsleben eingetreten und haben zum Teil großartige Karrieren geschafft.


Weg in die Zukunft

Trotz der Probleme durch die Grenzöffnung, trotz der gegenwärtigen Rezession und des ständigen Rückgangs der Geburtenzahlen hat die Realschule Furth im Wald ihren Schülerstand gehalten, bzw. gesteigert. Alle Absolventen haben den Einstieg ins Berufsleben bzw. den Weg in weiterführende Schulen gefunden. Die schülerfreundliche Reform der Realschule bietet weiterhin eine gute Chance, die Qualität der Ausbildung zu verbessern. Der Realschule in Furth im Wald steht auch weiter eine positive Zukunft bevor.

StR i.R. Heinrich Blab/ RSK Siegfried Ehrnböck

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