Unser neuer Schulleiter im Interview

Bericht von Thomas Linsmeier in der "Chamer Zeitung" vom 12.01.2017

„Man merkt gleich, dass hier alle mitziehen“

Der neue Direktor Andreas Hoffmann über seine Aufgaben, Ziele und die Realschule generell

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Furth im Wald. Fester Händedruck, freundliches Lächeln, allgemein smartes Auftreten. Der „Neue“ überzeugt auf Anhieb. Dieser Ersteindruck dürfte sich nicht nur bei mir beim ersten Zusammentreffen mit Andreas Hoffmann eingestellt haben, sicherlich auch beim Gros des Lehrerkollegiums und der Schülerschaft der Staatlichen Realschule. Beide hatten den 43-jährigen Regensburger (siehe Vita) am Montag als neuen Direktor kennengelernt. Gestern Nachmittag nahm er sich Zeit für die Chamer Zeitung, um über sich, aber auch über die Herausforderungen und seine Ziele in Furth sowie das Schulmodell „Realschule“ zu sprechen. Dabei scheint ihn das positive Schulklima auf Anhieb zu begeistern. „Man merkt gleich, dass hier alle mitziehen“, betont der dreifache Vater.

 

Einen ersten guten Eindruck von der Further Realschule hatte er bereits Mitte Dezember erhalten, als er überraschend am Advent-Café der Offenen Ganztagsschule teilnahm – und dabei eher nebenbei als Nachfolger von Direktor Andreas Gruber vorgestellt wurde (wir berichteten damals exklusiv). So richtig beeindruckt hat ihn aber, als am 2. Januar – also während der Weihnachtsferien – im Rahmen der Sanierungsarbeiten der Umzug des Sekretariats anstand. Trotz Ferienzeit hätten alle hierfür nötigen Mitarbeiter und die Firmen mit angepackt. „Das zeugt von großem Zusammenhalt“, lobt er dieses Engagement. Auch für ihn selbst fielen die Weihnachtsferien diesmal nahezu flach, musste er sich doch so schnell wie möglich in seine neue Aufgabe einarbeiten. Mehr als die Feiertage waren ihm als Auszeit nicht vergönnt, was er mit einem Schulterzucken abhakt: „Das gehört zum Geschäft dazu.“

Überraschend großes Wahlfach-Angebot

Wer mit Hoffmann über sein neues „Geschäft“, wenn man es so nennen will, spricht, dem wird sehr schnell deutlich, mit welcher Leidenschaft er seinen Beruf ausübt, wie wichtig ihm die Entwicklung der Kinder und Jugendlichen ist. „Jedes Kind, jeder Mensch hat individuelle Stärken und Schwächen. Eine bestmögliche Förderung im Rahmen der vorgegebenen Möglichkeiten sollte für jedes Kind oberstes Ziel sein“, beschreibt er seine Maxime. Dass am Ende der Schullaufbahn jeder Realschüler weiß, was er gut kann und wohin ihn sein beruflicher Weg führen soll, das ist eines seiner Ziele. Neben der Wertevermittlung („das gehört einfach dazu“) liegt dem 43-Jährigen auch viel am guten Miteinander: „Respektvoller Umgang unter den Schülern, aber auch zwischen Schüler und Lehrer, das ist mir wichtig!“ Beeindruckt zeigt sich Hoffmann von der Vielfalt an der Further Realschule. „Es ist mir gleich aufgefallen, was hier an Wahlfächern alles geboten wird.“ Das wiederum trage zum positiven Schulklima, zur Freude am Lernen bei.

Der Regensburger übernimmt die Further Realschule in einer Zeit, in der diese mitten in ihrer Generalsanierung steckt. Bammel hat er vor dieser Aufgabe nicht. „Die ganze Schulfamilie arbeitet eng zusammen, um die Herausforderungen zu meistern“, unterstreicht Hoffmann, wobei er hier in seinem Stellvertreter Siegfried Ehrnböck einen Motor sieht. Denn obwohl sich der im letzten Jahr vor der Pensionierung befindet, sei dieser nach wie vor „bei der positiven Umsetzung maßgebend unterstützend beteiligt“.

Generell betrachtet bezeichnet der neue Schulleiter diese Generalsanierung als ein „Geschenk“. Eine solche Maßnahme in diesem Volumen sei keine Selbstverständlichkeit, weshalb er hier dem Landkreis mit Landrat Franz Löffler an der Spitze ein dickes Lob ausspricht. „Hier wird in die Bildung intensiv investiert!“ Was bisher geschaffen wurde, insbesondere die neue Aula, die Mensa und die Klassenzimmer, sei „äußerst ansprechend und steigert das Wohlfühlklima enorm“.

Folglich nennt er die Weiterführung der Generalsanierung unter Aufrechterhaltung des geordneten Schulbetriebs als eine seiner wichtigen Aufgaben. Zudem liegt ihm viel daran, die attraktiven Bildungsangebote fortzuführen und, wenn notwendig, geänderten Anforderungen anzupassen.

Generell will Hoffmann die Freude am Lernen fördern: „Eine gute Schule wird über die reine Wissensvermittlung hinaus auch immer mehr für Orientierung bieten müssen. Die Arbeit und das Lernen müssen Schüler sinnvoll erleben und möglichst Freude daran haben.“

Nach wenigen Tagen weiß er bereits, dass an der Further Realschule „sehr viele hoch motivierte und engagierte Lehrkräfte“ tätig seien. Deren Arbeit gelte es zu würdigen. Er sieht die Wirkung der Lehrerpersönlichkeit auf das Lernverhalten der Schüler als unumstritten. Doch hat die Realschule selbst als Schulform eine Zukunft?

„Realschule ist ein Erfolgsmodell“

Davon ist der neue Direktor überzeugt. Hoffmann sieht die Realschule als bewährte Säule im bayerischen Schulkonzept, zwischen Mittelschule und Gymnasium. „Auch meine zehnjährige Tochter besucht eine Realschule, obwohl die gymnasiale Befähigung hätte.“ Für Hoffmann ist diese Schulform ideal, damit Kinder Fähigkeiten entwickeln können, zumal sie sehr gute Grundlagen biete, um später in einem Beruf erfolgreich zu sein oder andere, höhere Bildungsabschlüsse anzustreben. Jedes der drei bayerischen Schulsysteme – Mittelschule, Realschule, Gymnasium – habe für ihn seine Berechtigung und Aufgabe. Damit werde – anders als in anderen Bundesländern – den Heranwachsenden eine optimale Vorbereitung aufs spätere Leben zuteil. Deshalb stimmt Andreas Hoffmann mit der Meinung des Kultusministeriums voll und ganz überein: „Die Realschule ist ein Erfolgsmodell.“

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