Gedanken der Schulleiterin zum Abschlussjahrgang 2025 der
Staatlichen Realschule Furth im Wald

Sehr geehrte Ehrengäste,
liebe Mitglieder der Schulgemeinschaft unserer Schule,
sehr geehrte Eltern und Angehörige unserer Absolventinnen und Absolventen,
liebe Abschlussschülerinnen und Abschlussschüler des Jahrgangs 2025!
Folgende Schlagzeilen über die Einstellung junger Menschen zu Schule, Ausbildung und ihrem beruflichen Werdegang konnte man in der vergangenen Woche in den unterschiedlichen Medien hören und lesen:
„Erst mal arbeiten – viele junge Menschen ziehen nach der Schule Jobben einer Ausbildung oder einem Studium vor“ (Mittelbayerische Zeitung, 17. Juli 2025)
„Erst mal arbeiten – Nach der Schule direkt Geld verdienen – das wollen viele junge Menschen. Ein Teil von ihnen droht jedoch in Helferjobs hängenzubleiben und als Fachkräfte verloren zu gehen“ (Chamer Zeitung, 17. Juli 2025)
Den Ergebnissen einer Umfrage der Bertelsmann-Stiftung zufolge wollen zahlreiche Jugendliche nach der Schulzeit bzw. ihrem Schulabschluss erst einmal jobben, anstatt weiter zu lernen. Das könnte zu einem weiteren Anstieg der bereits jetzt schon hohen Zahl von Ungelernten unter den jungen Erwerbstätigen in Deutschland führen. 43 Prozent der Schülerinnen und Schüler gaben dabei an, auf jeden Fall eine Ausbildung anzustreben, 40 Prozent wollen unbedingt studieren. Viele zeigten sich auch unentschlossen. Mehr als die Hälfte der jungen Menschen kann sich vorstellen, nach der Schule zunächst arbeiten zu gehen – 19 Prozent haben dies sogar fest vor, davon vor allem mit niedrigem Schulbildungsniveau. Experten warnen: „Ohne reguläre Ausbildung steigt das Risiko, arbeitslos zu werden oder im Niedriglohnsektor zu verharren.“ Dies sei vor allem schwierig für die Betroffenen, gehe dadurch viel Potenzial für den Arbeitsmarkt verloren. Als Gründe, sich gegen eine Ausbildung zu entscheiden, werden eine zu geringe Ausbildungsvergütung und der Eindruck angegeben, dass man sich nicht ausreichend auf das Berufsleben vorbereitet fühle. Bei manchen sei es jedoch einfach nur der Wunsch nach einem sofortigen Einstieg in die Arbeitswelt.
Die Reaktion der Wirtschaftsverbände, Gewerkschaften und Hochschulvertreter ließ nicht lange auf sich warten und man war sich schnell einig, dass die Lösung in einer „fest verankerten Berufsorientierung“ an den Schulen zu finden sei. Doch augenscheinlich scheinen diese nicht ganz auf dem neuesten Stand zu sein, denn an vielen Schulen in Bayern, vor allem an den Realschulen, wird auf die berufliche Orientierung bereits von Beginn an– großer Wert gelegt.
Die Realschule Furth im Wald, davon konnten Sie sich, liebe Eltern, liebe Abschlussschülerinnen und Abschlussschüler des Jahrgangs 2025 in den vergangenen Jahren überzeugen, trägt diesen Ansprüchen seit vielen Jahren – genauer seit über 75 Jahren! – Rechnung, indem wir uns die berufliche Orientierung unserer Schülerinnen und Schüler über alle Jahrgangsstufen hindurch in besonderer Weise auf unsere Fahnen geschrieben haben. Praktika während der Schulzeit in den Jahrgangsstufen 8 und 9, frühzeitige Gespräche mit unserer Berufsberaterin der Agentur für Arbeit, die Berufsinformationsmesse an unserer Schule mit Vorträgen von Vertretern der unterschiedlichsten Berufsbilder aus unserer Nachbarschaft und Region usw., nicht zu vergessen die vielen intensiven Gespräche der Lehrkräfte mit ihren Schülerinnen und Schülern sowie deren Eltern zum individuellen Lernstand und Potenzial des einzelnen Kindes und Jugendlichen über die Schuljahre hinweg. Darüber hinaus ist die sensibel wahrnehmende, individuelle Begleitung durch unsere Beratungslehrkraft, unsere Schulpsychologin sowie unsere Jugendsozialarbeiterin zu erwähnen, die Euch, liebe Abschlussschülerinnen und Abschlussschüler, in für Euch persönlich herausfordernden Zeiten Halt und Unterstützung gab.
Für unsere besonderen Bemühungen um einen gelungenen Übergang von der Schule in die Arbeitswelt wird die Realschule Furth im Wald in diesem Jahr mit dem Berufswahl-Siegel des Bildungswerkes der Bayerischen Wirtschaft ausgezeichnet.
Doch warum bin ich zu Beginn meiner Rede so ausführlich auf die aktuellen Befunde zur Situation der Berufsorientierung junger Menschen heute eingegangen?
Ihr, liebe Abschlussschülerinnen und Abschlussschüler, haltet in wenigen Minuten Euer Zeugnis über den bestandenen Realschulabschluss in den Händen. In der Regel habt ihr sechs Jahre an unserer Schule auf dieses Ziel hingearbeitet, hattet dabei aber auch bereits Gelegenheit, Euch nicht nur eingehender darüber Gedanken zu machen, sondern konntet ganz konkret ausprobieren, wie es für Euch danach weitergehen kann bzw. welchen Beruf ihr zuerst erlernen und dann ausüben wollt. Gerade dieses Angebot unserer Schule half dem/der einen oder anderen dabei, seinen/ihren Weg zu finden, und auch Durststrecken der schulischen Motivation und Leistungsbereitschaft auf dem Weg zum Ziel, dem bestandenen Realschulabschluss, zu überwinden. Ihr könnt heute zurecht stolz auf das Erreichte sein. Mit Euch freuen sich aber auch Eure Familien und Freunde sowie Eure Lehrkräfte und die weiteren Mitglieder der Schulgemeinschaft unserer Schule. An diesem festlichen Tag sitzen hier nicht mehr unsere Schülerinnen und Schüler, die wir über diesen langen Zeitraum in ihrer persönlichen Entwicklung und Reifung begleiten durften, sondern junge Menschen, die mit den an der Realschule Furth im Wald und darüber hinaus erworbenen Kenntnissen, Fähigkeiten und Erfahrungen in der Lage sind, ihren weiteren beruflichen und persönlichen Werdegang aktiv und nachhaltig zu gestalten.
An dieser Stelle möchte ich Euch einen Gedanken des deutschen Mathematikers, Astronom und Physikers Carl Friedrich Gauß (1777-1855) mit auf den persönlichen Lebensweg geben:
„Es ist nicht das Wissen, sondern das Lernen, nicht das Besitzen, sondern das Erwerben, nicht das Dasein, sondern das Hinkommen, was den größten Genuss gewährt.“
Für mich ist dieser Satz von Gauß zwar nicht eine mathematische Formel, aber eine Lebensformel, lese ich doch darin einige zeitlose Empfehlungen für Euer weiteres Leben, die für uns alle hier im Raum Geltung haben können:
- Fange nie an, mit dem Lernen aufzuhören und höre nie auf, mit dem Lernen anzufangen!
- Sei neugierig!
- Probiere Neues aus!
- Entdecke dabei, was (noch) alles in dir steckt!
- Traue dich, auch unbekannte Wege zu gehen!
- Schau über den Tellerrand des Gewohnten hinaus!
- Entdecke neue Menschen, andere Gebiete Bayerns, Deutschlands und in der Welt!
- Nimm berufliche und private Herausforderungen an!
- Gestalte aktiv dein berufliches und privates Umfeld mit!
… dann wirst Du, so Gauß, ein genussvolles = zufriedenes Leben führen.
So manche hier anwesende Person wird Euch sicher gerne bestätigen, wie erfüllend bzw. genussvoll es sein kann, sich mit seinen Kenntnissen und Fähigkeiten, die man im Laufe seines Lebens in den unterschiedlichen Lebensbereichen erwirbt, in Familie und Freundeskreis, im Berufsleben und ehrenamtlicher Tätigkeit, z. B. in Sportvereinen, bei der freiwilligen Feuerwehr, sozialen Einrichtungen, in Kirche und Politik, aktiv einzubringen. Im Idealfall werdet ihr dabei eine persönliche Haltung entwickeln, die nicht zuerst den eigenen Vorteil sucht, die nicht lebt, als gäbe es kein Morgen, sondern kraftvoll und kreativ Verantwortung für das eigene Leben und das anderer übernimmt.
Zwei Mitschüler von Euch, Toni Deglmann aus der Klasse 10a und Sandro Wildfeuer aus der Klasse 10c, haben sich neben weiteren Schülern Eures Abschlussjahrgangs eine solche Haltung bereits zu eigen gemacht und wurden dafür Ende April dieses Jahres mit dem Oberpfälzer Realschulpreis MaxEL in den Kategorien „Kreatives und Soziales Engagement“ ausgezeichnet. Grundlage dafür waren bei dem einen herausragende schulische sowie große sportliche Erfolge verbunden mit hohem Engagement und Kreativität z. B. bei der Bergwacht, beim Schreinern und Handwerken, beim Musizieren und Theaterspielen, beim anderen sein herausragender Einsatz bei der freiwilligen Feuerwehr, als ehrenamtlicher Betreuer im Kindergarten und Altenheim seines Heimatortes und nicht zuletzt als Lerntutor für jüngere Mitschüler und als langjähriger Klassensprecher. Beide Schüler haben innerhalb und außerhalb der Schule Verantwortung übernommen, sich eingebracht und damit die Schulgemeinschaft und das soziale Miteinander gestärkt.
An dieser Stelle möchte ich unsere beiden Schülersprecher Florian Weinberger und Sebastian Bachmeier aus der Klasse 10a zu mir nach vorne bitten.
Als erster und dritter Schülersprecher habt ihr euch in besonderer Weise mit eurer Einsatzbereitschaft um die Schulgemeinschaft der Realschule Furth im Wald verdient gemacht haben. Ihr habt stets nicht nur euer eigenes Wohl oder das eurer Mitschüler im Blick gehabt, sondern die Interessen der Schulgemeinschaft als Ganzes nicht aus den Augen verloren. Ihr wart im Schulforum präsent, gabt beim Audit zum Berufswahl-Siegel der Jury mit weiteren Schülern bereitwillig Auskunft zu eurer Sicht auf die Maßnahmen zur beruflichen Orientierung an unserer Schule und standet der Ministerialbeauftragten für die Realschulen in der Oberpfalz, Frau Ltd. Realschuldirektorin Mathilde Eichhammer, bei ihrem Schulbesuch Ende April dieses Jahres Rede und Antwort. Daneben habt ihr in Zusammenarbeit mit den Verbindungslehrkräften das Oktober- und das Maifest unserer Schule organisiert und für einen sehr ansehnlichen Maibaum und für gute Stimmung bei Eurer Abschiedsgaudi gestern Mittag gesorgt. Deshalb möchte ich mich jetzt bei Euch noch einmal ganz besonders bedanken, denn ihr habt mit anderen dazu beigetragen, dass unsere Schule nicht nur ein Lernort war, sondern dass unser Motto „Realschule Furth im Wald – eine Schule mit WIR-Gefühl“ mit Leben erfüllt wurde.
Liebe Abschlussschülerinnen und Abschlussschüler! Euch allen wünsche ich von Herzen …
- Neugier, auf das, was vor Euch liegt,
- Freiheit, Euren Interessen und Neigungen zu folgen,
- Lust, Euch auszuprobieren und zu entdecken, was in Euch steckt,
- Zuversicht und Hoffnung, dass das Leben viel für Euch bereithält, was Euch Genuss verschafft, Euch erfüllt und zufrieden macht
- Menschliche Beziehungen, die Euch auch in herausfordernden Zeiten tragen und Euch Sicherheit geben
- Die Erkenntnis, dass der Mensch nicht alles aus sich selbst zu leisten in der Lage ist, sondern so manches als unverdientes Geschenk (Gnade) erhält
Der Zustand der inneren Zufriedenheit/des Glücks ist aus meiner Sicht neben der Gesundheit das höchste Gute.
Noch einmal möchte ich den Satz von Gauß in Erinnerung bringen und Euch, liebe Abschlussschülerinnen und Abschlussschüler, zurufen: Fangt nie an aufzuhören, hört niemals auf anzufangen! So bleibt ihr nicht nur geistig jung und fit, sondern habt ein genussvolles, erfülltes Leben. Euch und Euren Familien wünsche ich heute noch eine unvergessliche Feier miteinander und morgen einen gelungenen Abschlussball Eures Tanzkurses.
Wir würden uns als Schulgemeinschaft freuen, wenn ihr Eure Schulzeit in guter Erinnerung behaltet und der Realschule Furth verbunden bleibt.
Realschuldirektorin Ulrike Partl-Mahlendorf, Schulleiterin




