„80 Jahre Vertreibung: Geschichte und Gegenwart“
Gelebte Erinnerungskultur

Die Klassen 9b und 9c der Realschule Furth im Wald und der 21. Základní Škola Pilsen nehmen an Workshops im Rahmen der Veranstaltungsreihe „80 Jahre Vertreibung: Geschichte und Gegenwart“ teil
Furth im Wald. Am vergangenen Freitag, dem 19.06.2026 begingen die Staatliche Realschule Furth im Wald und ihre Partnerschule, die 21. Základní Škola Pilsen, einen weiteren gemeinsamen Projekttag. Dieses Mal stand der Aktionstag ganz im Zeichen von Erinnerungskultur. Die Stadt Furth im Wald (Europe Direct Informationszentrum mit Betreuung durch Katharina Drescher-Seidl), der Landtagsabgeordnete Jürgen Mistol (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN), Dr. Zuzana Jürgens und Dr. Wolfgang Schwarz vom Adalbert Stifter Verein hatten für dieses Wochenende die verschiedensten Veranstaltungen konzipiert und organisiert. Für interessierte Schüler wurden Workshops zum Thema „80 Jahre Vertreibung: Geschichte und Gegenwart“ angeboten. Diese Einladung ließ die beiden Partnerschulen natürlich nicht lange zögern. Sich gemeinsam auch einmal an schwierigere Themen zu wagen und sich über die gemeinsame – manchmal auch unschöne – Geschichte der beiden Nachbarländer zu informieren, ist ein lohnenswertes Ziel. So begann der Projekttag bei sommerlichen Temperaturen mit der Ankunft der tschechischen Delegation, begleitet von ihren Lehrkräften Magdaléna Škaloudová und Ivana Šanovcová, an der Realschule Furth mit einer kurzen Begrüßung durch Realschulkonrektor Peter Schmid. Im Anschluss machten sich die Klasse 9b der Realschule mit ihren Lehrkräften Franz-Christian Zelzer und Franziska Probst, die die Austauschaktivitäten mit der Partnerschule koordiniert und organisiert, und die Klassen 9b/9c der 21. Základní Škola Pilsen auf den Weg in den Rathaussaal der Stadt Furth. Unterstützt wurden die 38 Schüler und vier Lehrkräfte zusätzlich von Veronika Němcová, Tschechisch-Lehrkraft an der Realschule Furth. Dort angekommen wurden sie herzlich von Dr. Wolfgang Schwarz begrüßt, der sich viel Mühe mit der medialen Aufbereitung der Thematik gegeben hatte. Neben interessanten Grafiken, Karikaturen und Filmen gab es auch Praktisches zu tun: In Kleingruppen wurde z.B. erarbeitet, was man selbst in einen Rucksack packen würde, wenn man das eigene Zuhause verlassen müsste. Außerdem durften ausgewählte „Tester“ als Abschluss in einer Blindverkostung herausfinden, welche Oblaten aus Tschechien und aus Deutschland stammen. Den Hintergrund dazu bildete die Geschichte von Marlene Wetzel-Hackspacher, die im berühmten Café Engel in Marienbad das Konditorhandwerk erlernt hatte und nach ihrer Vertreibung im Jahr 1946 als junge Witwe mit nichts außer einem Kind und einem geschmuggelten Waffeleisen nach Dillingen an der Donau kam. Auch heute noch ist die Wetzel-Karlsbader Oblaten-und Waffelfabrik GmbH der einzige Hersteller von originalen Karlsbader Oblaten. Das Vormittagsprogramm wurde außerdem durch einen Kurzbesuch von Kathrin Freier-Maldoner ergänzt, die „Tandem Regensburg“ leitet und den Kindern weitere Austauschmöglichkeiten vorstellte.
Für die tschechischen Partner standen nachmittags weitere Highlights auf dem Plan. Nachdem die Schüler aus den Klassen 9b und 9c ihren letzten gemeinsamen Ausflug begingen – an der 21. Základní Škola Pilsen endet die Schulzeit mit Abschluss der neunten Jahrgangsstufe – wurde die Zeit für eine kleine Stadtführung genutzt. Katharina Drescher-Seidl vom Kulturamt Furth gab sehr interessante Einblicke in das Glockenspiel und die Reisegruppe durfte sogar den alten Drachen (im Landestormuseum) und den neuen (in seiner Höhle) bestaunen. Ein herzliches Dankeschön gilt ihr für das Ermöglichen dieser Highlights.
Im Anschluss war eine Verschnaufpause dringend nötig. In den kühlen Räumlichkeiten der Realschule erholte man sich und bevor es nach Hause ging, zeigte Lehrerin Franziska Probst den tschechischen Partnern noch das Schulhaus bei einem Rundgang.
Als Fazit bleibt zu sagen, dass dieser Projekttag ein weiteres, großes Stück dazu beigetragen, die Freundschaft der beiden Schulen zu vertiefen. Einen großen Dank sprechen beide Schulfamilien den Organisatoren Jürgen Mistol, Dr. Zuzana Jürgens, Dr. Wolfgang Schwarz und Katharina Drescher-Seidl aus. Der Aktionstag wurde ergänzend aus Mitteln des Bayerischen Jugendrings gefördert, der Förderverein der Realschule mit seinem Vorsitzenden Andreas Roder unterstützte in gewohnt wertvoller Weise die finanzielle Abwicklung.
Text und Bilder: Franziska Probst









