Auf Spurensuche in Bärnau und Paulusbrunn
Projekt „Geschichte entsteht“

Siebte Klassen der Realschule Furth im Wald nehmen am Projekt „Geschichte entsteht“ teil und erfahren Interessantes über das Leben der Sudetendeutschen nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges
Kurz vor den Herbstferien, am 30. Oktober 2025, durften die siebten Klassen der Realschule Furth im Wald an einem besonderen Projekt mit dem Namen „Geschichte entsteht“ in Bärnau teilnehmen. Ziel war es, mehr über Deutsche und Tschechen im Laufe der Zeit und insbesondere das Leben in der Grenzregion zu erfahren, die uns alle gemeinsam prägt und heute mit den Erinnerungsorten am „Grünen Band“ Wertschätzung erfährt. Unweit vom Geschichtspark Bärnau ist das verschwundene Grenzdorf Paulusbrunn / Pavlův Studenec gelegen, das gute Anknüpfungpunkte dafür bietet, etwas über das Leben in der Grenzregion und die Vertreibung der Sudetendeutschen nach dem Zweiten Weltkrieg zu lernen. Nach etwa eineinhalbstündiger Anreise waren die siebten Klassen gespannt, welches Programm sie im Geschichtspark Bärnau erwarten würde. Petra Musilová Seidlová, die das Projekt „Geschichte entsteht“ maßgeblich gestaltet, begrüßte die Reisegruppe mit 73 Kindern und den vier Lehrkräften Sabine Blab, Christina Schütz, Franziska Probst (Organisatorin an der Realschule) und Oliver Raith herzlich und im Anschluss absolvierten die Teilnehmer das Programm in zwei großen Gruppen: einerseits stand vormittags bzw. nachmittags ein Workshop zum Thema im Seminarraum des Geschichtsparks auf dem Plan und andererseits eine Führung durch Paulusbrunn, ebenfalls vormittags bzw. nachmittags. Im Workshop galt es unter anderem, wichtige historische Ereignisse, die Deutsche und Tschechen gleichermaßen betreffen, in eine chronologische Reihenfolge zu bringen und auch berühmte Persönlichkeiten beider Seiten in einer Kurzpräsentation vorzustellen. Besonders interessant war für alle Beteiligten zudem eine große Kiste mit Gegenständen, die man im verschwundenen Grenzdorf Paulusbrunn gefunden hat und oft auch heute noch finden kann. Anhand der Bruchstücke herauszufinden, um welche Gegenstände es sich wohl handelt, war spannend und lehrreich. Neben diesen Aktivtäten gab Petra Musilová anschauliche Hintergrundinformationen, sodass man sich das Leben im Grenzdorf gut vorstellen konnte. Die Frage, was man denn genau einpacken würde, wenn man – so wie Sudetendeutsche nach dem Zweiten Weltkrieg – nur 30 Kilogramm Gepäck mitnehmen dürfte und nur einen Abend für das Packen Zeit hätte, machte die Projektteilnehmer nachdenklich.
Die Führung durch das verschwundene Grenzdorf, die Ida Pětioká vom Team des Geschichtspark gestaltete, nahm ihren Anfang bei der „Böttger-Säule“, die zu Ehren von Dr. Josef Carl Böttger gegen Ende des 19. Jahrhunderts errichtet wurde und seine Verdienste um die Infrastruktur würdigt. Bei den Bewohnern von Paulusbrunn war sie eher als „Noud-Stoa“ (= Not-Stein) bekannt und erinnerte an Zeiten großen Verzichtes. Für die Kinder war die Säule zugleich Treff- und Ausgangspunkt für gemeinsames Spielen. Neben den Informationen zur Böttger-Säule gab es anschauliche Beschreibungen, Fotos und vertonte Zeitzeugenberichte zum Leben und der Bebauung in der damaligen Zeit, von der heute außer einem Brunnen leider nur noch wenig erhalten ist. Ein besonderes Highlight war bei der Führung die Beantwortung von Quizfragen in Kleingruppen. Wer hier besonders gut aufgepasst hatte, konnte abschließend entweder ein sehr schön gestaltetes Comic-Heft zum Leben im verschwundenen Grenzdorf Paulusbrunn oder einen Jubiläums-Knopf – Bärnau ist Sitz des Deutschen Knopfmuseums – ergattern.
Mit vielen neuen Eindrücken machte sich die Reisegruppe der Further Realschule im Anschluss wieder auf den Heimweg. Großer Dank gilt dem Team des Gechichtsparks Bärnau für die Vorbereitung und Durchführung des abwechlsungsreichen Programms. Zudem bedankt sich die Schulfamilie der Realschule Furth im Wald sehr herzlich bei ihrem Freundes- und Förderkreis mit dem Vorsitzenden Andreas Roder und ihrem Elternbeirat mit Herbert Pongratz als Vorsitzendem für die großzügige finanzielle Unterstützung bei den Buskosten. Für das Projekt „Geschichte entsteht“ wird zudem ein kleiner Fahrtkostenzuschuss über das Bayerische Staatsministerium für Unterricht und Kultus gewährt.
Text und Bilder: StRin (RS) Franziska Probst
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Fotos 1 und 2: Auf Spurensuche in Bärnau – wofür wurden diese Gegenstände wohl früher benutzt?
Fotos 3 und 4: Bei der Führung durch Paulusbrunn stand die „Böttger-Säule“ als Dorfkern im Vordergrund. Anschauliche Bilder, Zeitzeugenberichte und Erzählungen machten das Leben im verschwundenen Grenzdorft lebendig.
Foto 5: Ein kleiner Einblick in das wunderschön gestaltete Comic-Heft, das das Leben im verschwundenen Grenzdorf Paulusbrunn illustriert








